"Sommerhäuser" ist der große Gewinner

Fr, 30. Jun 2017 Bavaria Film
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Förderpreis Neues Deutsches Kino 2017

Die Sieger des von Bavaria Film, BR und DZ Bank gestiftetem Förderpreis Neues Deutsches Kino 2017:  mit mehr als fünf Kilogramm der "schwerste" Filmpreis Deutschlands

© 2017 BR/Emanuel Klempa

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München - Im Rahmen des Filmfest München wurde der Förderpreis Neues Deutsches Kino verliehen. Die Produktion „Sommerhäuser“ ist der große Gewinner in diesem Jahr: Sonja Maria Kröner wurde für die beste Regie, Philipp Worm und Tobias Walker wurden in der Kategorie Produktion ausgezeichnet. Den Preis für das beste Drehbuch gewannen Julia Langhof und Thomas Gerhold für „LOMO – The Language of Many Others“, Schauspielerin Annika Meier wurde für ihre Rolle in der Sven-Regener-Verfilmung „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ geehrt. Der mit insgesamt 70.000 Euro dotierte Förderpreis wird von der Bavaria Film, dem Bayerischen Rundfunk und der DZ Bank gestiftet und zählt zu den wichtigsten Nachwuchsauszeichnungen in Deutschland.

Die Preisträger 2017 im Überblick

Förderpreis Neues Deutsches Kino – REGIE (30.000 Euro):

Sonja Maria Kröner für „Sommerhäuser“

Sonja Maria Kröner wurde 1979 in Dießen am Ammersee geboren und studierte Literaturwissenschaften und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Drehbuch- und Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Ihr Kurzfilm „Zucchiniblüten“ war bei den Hofer Filmtagen zu sehen. „Sommerhäuser“ ist ihr Langfilmdebüt. Kröner arbeitet neben dem Film an Medienkunstinstallationen.

„Sommerhäuser“ ist eine Produktion der Walker + Worm Film GmbH in Koproduktion mit dem WDR und dem BR, gefördert von FFA, FFF BAYERN, DFFF, BKM, KjdF.

Inhalt „Sommerhäuser“

Im schwülen Sommer des Jahres 1976 wird der Gemeinschaftsgarten einer Familie zum Schauplatz absurder, komischer Situationen. Während sich die Erwachsenen nicht über den Verkauf des Grundstücks einigen können, erkunden die Kinder ungehindert den Garten und das geheimnisvolle Nachbargrundstück. Doch dann stört die Nachricht über ein verschwundenes Mädchen in der Nachbarschaft die sommerliche Ruhe…

Jurybegründung für Sonja Maria Kröner

„Wir waren beeindruckt von der virtuosen Regieführung, die scheinbar mühelos ein generationsübergreifendes Schauspielensemble durch den Mikrokosmos eines Gartens dirigiert. Mit dem Mut zum entschleunigten Erzählen zeigt uns die Regisseurin dennoch, welche elektrifizierende Kraft unter der Oberfläche von Familienstrukturen schlummert.“

Förderpreis Neues Deutsches Kino – PRODUKTION (20.000 Euro):

© 2017 BR/Emanuel Klempa

Philipp Worm und Tobias Walker für „Sommerhäuser“

Philipp Worm und Tobias Walker haben sich beim Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München kennengelernt und 2008 die Produktionsfirma Walker+Worm Film geründet. Sie haben in den letzten Jahren über 30 Spiel-, Dokumentar- und Werbefilme produziert, unter anderem „Finsterworld“ oder „Wir waren Könige“. „Sommerhäuser“ ist der insgesamt sechste Langfilm der Produktionsfirma.

Jurybegründung für Philipp Worm und Tobias Walker

„Hier möchten wir den Film und seine Produzenten auszeichnen, die durch das Zusammenspiel aller Gewerke die Klaviatur des Filmherstellens perfekt beherrschen.

Sie präsentieren uns ihren Film wie ein reinigendes Sommergewitter, um einem wundervollen Schauspielensemble dabei zuzusehen, wie sie uns die Komplexität des normalen Lebens spiegeln.“

Förderpreis Neues Deutsches Kino – SCHAUSPIEL (10.000 Euro):

© 2017 BR/Emanuel Klempa

Annika Meier für „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“

Annika Meier wurde 1981 in Berlin geboren. Von 2002 bis 2006 studierte sie an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Engagements führten sie unter anderem an das Thalia Theater Hamburg, das Schauspiel Köln sowie an die Volksbühne Berlin. In „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ ist sie erstmals im Kino zu sehen.

„Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ ist eine Produktion der Razor Film Produktion GmbH in Koproduktion mit dem WDR, Brainpool, ARD Degeto und Arte.

Inhalt „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“

Mitte der 1990er-Jahre trifft Karl Schmidt seine alten Kumpels wieder. Während Karl am Tag der Maueröffnung einen Nervenzusammenbruch erlitt und seither in Therapie ist, sind die alten Freunde zu Stars der deutschen Techno-Szene geworden. Mit ihrem erfolgreichen Plattenlabel wollen sie eine „Magical Mystery“-Tour durch Deutschland machen, um den Rave der 90er mit dem Hippiegeist der 60er zu versöhnen. Dazu brauchen sie einen Fahrer, der immer nüchtern bleiben muss. Karl Schmidt zieht mit ihnen los, auf einen abenteuerlichen Roadtrip.

Jurybegründung für Annika Meier

„In einer wilden Truppe durchgeknallter Stars der DJ- und Technoszene, deren Zentrum grandios von Charly Hübner verkörpert wird, ragt die Schauspielerin Annika Meier durch ihr knappes, direktes und ernsthaftes Spiel heraus. Das ist in diesem großartigen, figurenreichen Ensemble auf seiner chaotischen „Magical Mystery“-Tour eine verblüffende Leistung. Es ist die Konsequenz, mit der die Schauspielerin ihre Beziehung zum labilen Karl Schmidt alias Charly Hübner Stück für Stück durchsetzt, die beeindruckt. Durch alle 16 Filme hindurch in dieser Münchner Filmfestwoche bleibt ihr Spiel im Gedächtnis.“

Förderpreis Neues Deutsches Kino – DREHBUCH (10.000 Euro):

Julia Langhof und Thomas Gerhold für „LOMO – The Language of Many Others“

Thomas Gerhold wurde 1977 in Marburg geboren. Er schrieb das Drehbuch zu „LOMO – The Language of Many Others“ zusammen mit Julia Langhof, der Regisseurin des Films, die damit ihr Debüt gibt. Julia Langhof wurde 1981 in Berlin geboren. Sie studierte von 2001 bis 2003 in New York Schauspiel, danach Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Ihr Kurzfilm „Killsometime.com“ lief auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.

„LOMO – The Language of Many Others“ ist eine Produktion der Flare Film GmbH in Koproduktion mit BASIS BERLIN FILMPRODUKTION, cine plus Production Service GmbH, dem RBB und Arte.

Inhalt „LOMO – The Language of Many Others“

Während seine ambitionierte Zwillingsschwester schon ziemlich genau weiß, was sie nach dem Abitur machen will, widmet Karl seine Aufmerksamkeit lieber seinem Blog „The Language of Many Others“. Dort postet er unter anderem auch persönliche Aufnahmen seiner eigenen Familie, was Karls Verhältnis zu seinem Vater vor eine Zerreißprobe stellt. Als Karl sich in seine neue Mitschülerin Doro verliebt, glaubt er endlich zu wissen, was er will. Das Glück währt jedoch nicht lange. Desillusioniert beginnt Karl ein gefährliches Spiel, lässt mehr und mehr seine Follower die Macht übernehmen – am Ende sogar über Leben und Tod...

Jurybegründung für Julia Langhof und Thomas Gerhold

„Wir möchten in der Kategorie Drehbuch zwei Autoren auszeichnen, die bewiesen haben, dass sie wussten, was sie erzählen wollten. Sehr klar beschreiben sie einen Aspekt, ein Lebensgefühl einer jungen Generation, für die die unendlichen Weiten des Internets längst alltäglich geworden sind. Die weitreichenden Auswirkungen sind es hingegen nicht immer unbedingt. In einer der schönsten Schlüsselszenen des Films verdeutlichen dies die unbestimmten Stimmen inszeniert als Allegorie wie ein griechischer Chor.“

Der Förderpreis Neues Deutsches Kino

Der Förderpreis Neues Deutsches Kino zählt zu den höchstdotierten Nachwuchspreisen in Deutschland. Im Wettbewerb stehen die Regisseure, Produzenten, Drehbuchautoren und Schauspieler, deren Filme in der Reihe Neues Deutsches Kino beim FILMFEST MÜNCHEN zu sehen sind und bei denen es sich um den ersten, zweiten oder dritten langen Kinospielfilm der Künstler handelt. Für Produzenten darf es maximal der sechste Film sein.

In diesem Jahr waren insgesamt 16 Spielfilme im Rennen um den Förderpreis Neues Deutsches Kino.

Die unabhängige Jury bestand aus der Produzentin Verena Gräfe-Höft, die unter anderem „Tore tanzt“ produzierte, der 2013 in Cannes lief; dem Schauspieler Edgar Selge („Kir Royal“, „Das Experiment“) und Michael Weber, der zum Produktionsteam des Oscar-gekrönten Caroline-Link-Films „Nirgendwo in Afrika“ gehörte.

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